Alle Steckbriefe
Adelphobates castaneoticus
Art-Steckbrief

Adelphobates castaneoticus

Pará-Baumsteiger

Experte IUCN: LC – Nicht gefährdet
Verbreitung
Brasilien (Pará, östl. Amazonien)
Körpergröße
Ø 20 mm
Temperatur
24–27 °C
Luftfeuchtigkeit
80–95 %
#Adelphobates #Dendrobatidae

Adelphobates castaneoticus

Der Adelphobates castaneoticus ist ein kleiner Frosch mit einer großen Geschichte: Seine Kaulquappen wachsen in leeren Paranuss-Schalen heran, die am Waldboden voll Regenwasser laufen. Ein schwarzer Winzling mit hellen Tupfen aus dem Herzen Amazoniens – nichts für Einsteiger, aber ein Traum für Kenner.


Kurzbeschreibung

Merkmal Wert
Wissenschaftlicher Name Adelphobates castaneoticus
Trivialname Pará-Baumsteiger / Paranuss-Frosch
Herkunft Brasilien (Pará, östliches Amazonien)
Körpergröße ca. 18–23 mm
Schwierigkeitsgrad Fortgeschritten
IUCN-Status LC – Nicht gefährdet

Erscheinungsbild

Tiefschwarzer Grund, überzogen mit hellen, rundlichen Flecken – von Weiß bis Bläulich. An den Beinen sitzen warme, kupfer-orange Töne . Klein, kontrastreich, unverkennbar. Der wissenschaftliche Name spielt auf die Paranuss an (castanea = Kastanie/Nuss) – kein Zufall.

Warnfarbe: Das kräftige Muster ist ein Warnsignal (Aposematik) – in der Natur hält es Fressfeinde ab. In Terrarienhaltung sind die Tiere ungiftig.


Herkunft & Habitat

A. castaneoticus lebt ausschließlich im brasilianischen Bundesstaat Pará, östlich des Amazonas – grob zwischen den Flüssen Tapajós und Xingu. Ein Bodenbewohner der Terra-firme-Regenwälder, unterwegs in der Laubstreu, gelegentlich auch etwas höher in niedriger Vegetation.

Namensgeber Paranuss: Agutis knacken die schweren, holzigen Paranuss-Kapseln am Boden auf. Die leeren Schalen füllen sich mit Regenwasser – und werden zur Kinderstube für die Kaulquappen. Daher der Name.

Natürliche Klimabedingungen

  • Temperatur: 24–27 °C (tags), 21–23 °C (nachts)
  • Luftfeuchtigkeit: 80–95 %
  • Habitat: feuchter Tieflandregenwald, dichte Laubstreu

Terrarium-Haltung

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten

Kein Frosch für den ersten Versuch. Die geringe Größe, das kleine Futter und die speziellen Ansprüche an Bodengrund und Kleingewässer machen ihn zum Pflegling für erfahrene Halter.

Mindestgröße

Für ein Pärchen: 60 × 45 × 45 cm (B × T × H). Der Schwerpunkt liegt auf der Fläche – dies ist ein Bodenfrosch.

Einrichtung

  • Bodensubstrat: Kokoserde-Laub-Mix, 8–10 cm tief, dick mit Laubstreu bedeckt
  • Bepflanzung: Bromelien, Moose, Farne – dicht und strukturreich
  • Verstecke: Rindenstücke, Kokosschalen, Laubhaufen
  • Kleingewässer: Filmdosen oder kleine Wasserstellen als Kaulquappen-Habitat (ersetzen die Paranuss-Schalen)

Klimasteuerung

Täglich beregnen, Luftfeuchtigkeit hoch und stabil halten. Gute Belüftung ohne Zugluft. Eine automatische Besprühanlage erleichtert die konstante Feuchte.


Ernährung

Wegen der geringen Körpergröße braucht A. castaneoticus kleines Futter:

  • Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster, flügellos) – Hauptnahrung
  • Springschwänze (Collembola) – Hygienetiere und wichtig für Jungtiere
  • Grasmilben – besonders für die Aufzucht
  • Keine großen Insekten – Maulbreite beachten

Vitaminisierung: Regelmäßig mit Calcium und Vitamin D3 bestäuben. Ohne Vitaminierung drohen langfristig Mangelerscheinungen.


Sozialverhalten

A. castaneoticus lässt sich als Pärchen oder in kleiner Gruppe halten. Unter Männchen gibt es Revierverhalten, meist ohne ernste Verletzungen. Genug Sichtschutz und Struktur senken den Stress.

Hinweis: Wie bei vielen kleinen Bodenfröschen gilt: lieber stabile Pärchen als überbesetzte Gruppen.


Fortpflanzung

Paarungsverhalten

Männchen rufen zur Balz. Die Eier werden am Boden abgelegt und vom Männchen bewacht.

Gelege & Aufzucht

  • Gelegegröße: meist 2–6 Eier
  • Transport: Nach dem Schlupf trägt das Männchen die Kaulquappen einzeln in kleine Wasserstellen – Baumhöhlen, Astlöcher, mit Wasser gefüllte Paranuss-Schalen
  • Besonderheit: Die Kaulquappen sind groß, kräftig und räuberisch – sie fressen Mückenlarven, andere Kaulquappen und was sonst in ihre Wasserstelle passt. Deshalb: einzeln aufziehen
  • Geschlechtsreife: mit ca. 5–7 Monaten

Häufige Fehler bei dieser Art

  1. Zu großes Futter – die kleine Maulbreite unterschätzen
  2. Kaulquappen zusammen aufziehen – sie fressen sich gegenseitig
  3. Zu trockenes oder instabiles Klima – schwächt die Tiere
  4. Als Einsteigerart behandeln – die Ansprüche werden oft unterschätzt

Fazit

Der Adelphobates castaneoticus ist ein Frosch für Halter, die schon Erfahrung mitbringen. Klein, kontrastreich und mit einer Fortpflanzungsbiologie, die es in sich hat – die Paranuss-Schalen als natürliche Kinderstube machen ihn zu einem der spannendsten Amazonas-Dendrobaten überhaupt.